
Wie wird Gin hergestellt? Vom Korn zum Botanical
Kein Fasslager, keine Jahrzehnte Reifung – und trotzdem liegen zwischen Industrie-Gin und Handwerk Welten. Die drei Schritte, in denen sie entstehen.
Gin gilt als unkomplizierte Spirituose – kein Fasslager, keine Jahrzehnte Reifung. Stimmt. Aber zwischen einem industriellen Gin und einem handwerklich gebrannten liegen Welten, und die entstehen in drei Schritten.
Schritt 1: Der Basisalkohol
Jeder Gin beginnt mit neutralem Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs – meist aus Getreide. Neutral heißt: möglichst frei von Eigengeschmack, damit die Botanicals die Bühne für sich haben. Bei einem Bio-Gin muss bereits dieser Basisalkohol aus zertifiziert biologischer Landwirtschaft stammen – die Zertifizierung beginnt also vor dem ersten Botanical.
Schritt 2: Botanicals und Mazeration
Die Botanicals – allen voran Wacholder, dazu je nach Rezeptur Zitrusschalen, Kräuter, Wurzeln oder Beeren – werden im Alkohol angesetzt (mazeriert), damit sie ihre Aromen abgeben. Wie lange, bei welcher Temperatur und in welchem Verhältnis: Das ist die eigentliche Rezeptur und der Grund, warum zwei Gins mit denselben Botanicals völlig unterschiedlich schmecken können.
Schritt 3: Die Destillation
Beim Brennen trennt sich der aromatisierte Alkohol von den festen Bestandteilen – und der Brenner trennt Vorlauf, Herzstück und Nachlauf. Nur das Herzstück kommt in die Flasche. Die Kategorien dahinter:
- London Dry Gin bedeutet, dass alle Aromen vor bzw. während der Destillation eingebracht werden – danach darf praktisch nichts mehr zugesetzt werden, kein Aroma, kein Farbstoff.
- Distilled Gin ist ebenfalls destilliert, erlaubt aber nachträgliche Zusätze.
- Compound Gin verzichtet ganz auf die erneute Destillation – die einfachste und qualitativ heikelste Variante.
Was Bio dabei bedeutet
Bio-Zertifizierung beim Gin heißt: biologischer Basisalkohol, biologische Botanicals, dokumentierte und kontrollierte Verarbeitung. Das ist Aufwand – aber es ist auch der einzige Weg, bei dem „natürlich“ keine Marketingvokabel ist, sondern ein geprüfter Zustand.
Schmecken statt lesen: Alle Gins stehen im Shop, die passenden Drinks in der Rezepte-Übersicht.




